Geschichtliches


Vor den Toren des mittelalterlichen Braunschweigs befand sich die Komturey der Templer direkt neben dem Hof des Ordens der Deutschritter und dem der Zisterzienser. Seit 1587 wurde der Besitz der Zisterzienser, der vermutlich das gesamte Areal beinhaltete, von den Braunschweiger Herzögen als Residenz genutzt. Der gesamte Gebäudekomplex, zu dem auch die noch erhaltene Kapelle der Templerkomturei gehörte, wurde nach den Kutten der Zisterzienser als "Grauer Hof" bezeichnet. Im Jahre 1718 begann ein umfangreicher Umbau des Komplexes, bei dem alle alten Gebäude (mit Ausnahme der Templerkapelle) abgerissen wurden. Die Kapelle blieb als so genante Geheimratsstube erhalten.
1830 wurde der "Graue Hof" bei einem Aufruhr Opfer einer Brandstiftung. Der Wiederaufbau wurde schon 1860 erneut Opfer der Flammen, wurde abermals wieder aufgebaut und später im 2.Weltkrieg beschädigt.
Im Jahre 1960 wurde der gesamte Komplex abgerissen.

Zur Komturei Braunschweig gehörend, lässt sich der Templerhof im Hagener Bohlweg nachweisen. Um das Jahr 1200 stand dort bereits eine Kapelle, St. Matthäus mit Namen. Nach dem Verbot des Ordens wird diese Kapelle im Jahre 1312 Versammlungsort der Kalandsbruderschaft. Um das Jahr 1800 wurde die Kapelle noch zweckentfremdet als Archiv genutzt, bevor sie abgerissen wurde. Von St. Matthäus Kapelle und dem Templerhof ist heute nichts mehr erhalten.
Eine größere Hofstelle, die zunächst von Süpplingenburg aus verwaltet wurde, besaß der Orden der Tempelritter in dem Dorfe Emmerstedt. Durch Landerwerb wurde Emmerstedt schließlich Komturei. Im Jahre 1304 wird ein Johannes de Bornstede als Komtur in Emmerstedt erwähnt. Die Komturei bestand als Erbzinshof bis in das 19. Jahrhundert hinein. Die Familie von Bornstedt ist ein altes Adelsgeschlecht aus dem Ohrekreis und dem Mannsfelder Land (benannt vermutlich nach dem Dorfe Bornstedt).
Damals an einer der wichtigsten Straßen Deutschlands gelegen, die vom Rhein über die mit Lothar von Süpplingenburg verbundene Stadt Königslutter an die Elbe und von dort nach Osten bis nach Magdeburg, dem Sitz des Erzbischofs, und schließlich nach Brandenburg verlief, findet sich die Komturei Süpplingenburg.
Die Ursprünge der Komturei gehen zurück in das Jahr 1130, als Lothar III. - Graf von Süpplingenburg und Herzog von Sachsen, Deutscher König seit dem 30. August 1125, zum Kaiser gekrönt im Jahre 1133 - an seinem Stammsitz - einer Wasserburg - den Grundstein zu einer Stiftskirche legte, die 1140 vollendet wurde. Der Kollegiatsstift und die Burg kamen um 1173 unter Heinrich dem Löwen, Herzog von Sachsen (dessen Großvater Lothar von Süpplingenburg war), in den Besitz des Templerordens. Die Komturei Süpplingenburg war lange Zeit Stammsitz des letzten Präzeptors der Deutschen Lande, Friedrich von Alvensleben, bevor er nach Zielenzig übersiedelte. Nach der Auflösung des Templerordens wurden die Konventsgebäude im Jahre 1357 an den Orden der Johanniter übergeben. In deren Besitz blieb die Komturei bis zum Jahre 1820.
Der bauliche Zustand der Kirche soll so schlecht gewesen sein, dass sogar ein Abriss erwogen wurde. Seit 1838 wurde die Kirche als Pfarrkirche genutzt. Von 1838 bis 1843 erfolgte eine umfangreiche Renovierung des Kirchengebäudes. 1875 begann der Abbruch der Burg- und Konventsgebäude. Weitere umfangreiche Restaurierungen und bauliche Arbeiten fanden von 1878 bis 1883 sowie zuletzt von 1966 bis 1975 statt. Auf diese Arbeiten gehen z.B. die Ausmalungen an der Decke sowie der Einbau des farbigen Ostfensters zurück. 1994 kam als letztes der Einbau der Orgel hinzu. Die Kirche wurde - in der Blütezeit der sächsischen Architektur - als Pfeilerbasilika über kreuzförmigen Grundriss errichtet. Der gesamte Ostteil stammt noch aus dem 12. Jahrhundert: das Querhaus mit den Nebenapsiden sowie die Krypta unter dem rechteckigen Chor. Einen Eindruck von der einstigen Pracht vermittelt die zur gleichen Zeit in Königslutter errichtete Stiftskirche St. Peter und Paul, die zugleich die Grablege von Lothar III. von Süpplingenburg ist. Auffallend ist die völlig neuartige monumentale Auswölbung des Ostteils der Kirche. Die Ausführung geschah in Form eines Baldachingewölbes, das durch ein System von Säulengliedern gestützt wird. Die Säulen im Inneren der Kirche sind mit prachtvollen Kapitellen verziert.

Von der Burganlage selbst ist nichts erhalten; selbst der Wasserlauf, der als Schutz für die Burg diente, wurde verfüllt.

Ein (historischer) Friedhof existiert ebenfalls nicht mehr.

Zur Komturei Süpplingenburg gehörte in der Altstadt von Kattreppeln die Kirche St.Johannes des Täufers und des Evangelisten.

1224 wird diese Kirche urkundlich als zur Komturei von Süpplingenburg gehörend bezeichnet. Nach dem Ordensverbot ging die Kirche ebenfalls an die Johanniter über und hatte noch bis in das Jahr 1784 Bestand, bevor sie in abgerissen wurde.
 


Die St. Johannes-Kirche in Süpplingenburg

Von 1130 bis 1135 ließ Kaiser Lothar III. auf seiner Stammburg eine flachgedeckte romanische Basilika mit einer Doppelturmanlage erbauen. Um 1200 zerstörte ein Brand das Dach, große Teile des oberen Mauerwerks, Krypta und Doppelturmanlage. Darauf erfolgte der Wiederaufbau mit der Einwölbung der Kirche. Um 1250 musste nach dem Einsturz des ersten Gewölbes in Mittel- und Querhaus eine erneute Einwölbung mit spätromanischen Rippengewölbe vorgenommen werden. Veränderungen, Restaurierungen und Renovierungen waren im Laufe der Jahrhunderte mehrfach notwendig. Ab 1843 wird die Kirche als Pfarrkirche – vorher Ordenskirche – genutzt.



Das Krukenkreuz oder Kreuz der Templer Heinrich der Löwe, ein Enkel Kaiser Lothars, wandelte nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Land im Jahre 1173 das Kollegialstift seines Großvaters in die „Templer-Kommende S. Mariae in Süpplingenburg“ um. Bei der zweiten Neueinwölbung um 1250 hinterließen die Templer im südlichen Querhausarm ihre sichtbaren Spuren: Das Krukenkreuz oder Kreuz der Templer. Es zeigt vier zusammenlaufende Patriarchal-Kreuze auf den Gewölberippen. Der Schlussstein hat die Form von vier Blütenblättern, aus denen ein Stempel senkrecht hervortritt.

1311 war die Burg Tatort eines schrecklichen Mordgeschehens. Graf Heinrich von Regenstein erhielt den geheimen Befehl, 12 Tempelritter(2) in seinem Gerichtsbezirk zu töten. Zu diesem Zweck lud er die Templer zu einem Rittermahl und ließ sie nach dem Essen auf ein vorher vereinbartes Zeichen durch seine anwesenden Knappen und Diener töten. "Das ganze Zimmer schwamm von rauchendem Blute wie ein Teich im herbstlichen Morgen". Der Saal erhielt daraufhin den Beinamen "Die rothe Tempelherren-Stube", volkstümlich auch "Blutstube".

2. Die Templerkirche 44)

(Auszug aus Hermann Dürre, Geschichte der Stadt Braunschweig im Mittelalter, 1861, S. 535ff.)

Die Templer sollen ihren hieselbstam Bohlwege belegenen Hof sammt der darauf gelegenen Kirche angeblich von Heinrich dem Löwen nach dessen Rückkehr aus Palästina erhalten haben 45). Dies berichtet aber keine glaubwürdige Quelle. Auf Bothos Angabe 46), dass beim Anbau des Hagens der Tempelhof schon vorhanden gewesen sei, ist nichts zu geben. Auf jenem Hofe stand eine dem Evangelisten Matthäus geweihte Kirche 47), die zuerst 1289 urkundlich erwähnt wird als eine Anzahl von Kirchenfürsten ihr und der Katharinenkirche einen Ablaß erteilten 48). Bis 1312 wohnten etwa 10 Templer unter einem Komthur auf dem Tempelhofe und versahen dort den Gottesdienst; alle in der Tempelkirche geopferten Gaben kamen ihnen zu 49). Nach der Aufhebung jenes Ordens sollte dieser Hof mit der Tempelkirche dem hiesigen Ordenshause der Johanniterzufallen.. Aber Herzog Otto, ein Sohn Albrechts des Großen, ein gewesener Tempelritter, behauptete sich im Besitz desselben. Erst nach dem Tode überwies Magnus der Heitere den hiesigen Johannitern 1367 jenen Hof 50), in dessen Kirche schon seit 1312 kein Gottesdienst mehr gehalten war. 1359 richteten die Johanniter dieselbe zu jenem Zwecke wieder ein und behielten sich dafür das Patronat zu zwei Drittheilen vor, ein Drittheil überließen sie dem Rath des Hagens 51). Den Hof und die Kirche, welche halb Matthäuscapelle, halb Templercapelle genannt wird, verkaufen die Johanniter 1367 für 150 Mark an die Ralandsbrüderschaft des heiligen Geistes 52), die sich nun nach der neuen Besitzung den Raland zu St. Matthäus nannte 58). Auf dem Tempelhofe 54), der seinen Namen bis an das Ende des Mittelalters behielt, lag die St Matthäuskirche. In ihrem Chor stand der St. Matthäus geweihte Hochaltar, an welchem anfangs ein damit beauftragter Priester, seit 1367 der Dechant jenes den Gottesdienst besorgte. Vor dem Altar brannte eine von Hermann von Gustidde gestiftete ewige Lampe. Vor dem Chor stand in der Mitte des Kirchleins der Dreifaltigkeitsaltar, der von Heinrich von Bisbed , eines Dechanten des Ralands, 1405 gestiftet ward, unter anderen Reliquien ein Stück vom angeblichen Gewande des Heilandes enthielt und seit 1407 mit einem Gemälde geschmückt war, welches Bertündigung??? Marias darstellte. Ein dritter Altar , dessen Schutzheilige unbekannt sind, stand auf der Brieche. An den beiden letzgenannten altären las der Kämmerer des Ralands Messe 55).

44) Urkunde des Statarchives Nr. 280 45) Gebhardi, Stift St. Matthäus, S. 8 und Havemann, Braunschw. Geschichte I, S 317. 46) Botho zum Jahre 1172 bei Leibnitz, S. R. Br. III, 349. 47) Dhigthof S. 253 48) Urkunde der Katharinenkirche Nr. 4: Capella St. Matthei sacrae domumilitae templi de Bruneswich. Urkunde bei Rethmeier, Kirchenhistorie I S. 202 49) Ordinarius 8. St. Matthei bei Gabhardi, S 68. 50) Ordinarius 8. St. Matthei baf. S.66 51) Ordinarius 8. St. Matthei baf. S.66 und 67 52) Ordinarius 8. St. Matthei baf. S 68 53) Br. Magazin 1860, S . 105 54) Beschreibung desselben im Br. Magazin 1860, S. 106-106 55) Die betreffenden Duellangaben aus dem Ordinar. S. Matthei f. Br. Magazin 1860, S. 106

Auszügeaus "Die Geschichte des Ordens der Templerherren" von Ferdinand Wilcke

Ein Teil dieses Werkes kann man online nachlesen: Geschichte des Tempelherrenordens: Nach den vorhandenen und mehreren bisher unbenutzten Quellen Von Wilhelm Ferdinand Wilcke

XIII. Provinz Niederdeutschland.

Zu dieser Provinz, welche, wenn der Orden länger bestanden, nördlich und südlich weit mehr Komtureien enthalten haben würde, gehörte das jetzige Königreich Hannover, Kurhessen, Braunschweig, die preußische Provinz Sachsen, das Königreich Sachsen und Thüringen. War der Sitz des Meisters nicht zu Magdeburg, so dürfte er zu Wichmannsdorf unweit Hundisburg89a) bei Neuhalden sieben gewesen sein. Vizemeister oder Präzeptor von Niederdeutschland war Bertram von Esebeck um 1295 89b), ihm folgte der Komtur zu Supplinburg, Friedrich von Nigrip und diesem Friedrich von Alvensleben, welcher in einer Urkunde vom 9. April 1301 auch als Komtur von Supplinburg genannt wird90), und am 25. April 1306 als Meister von Deutschland und Slavien91), denn zu Niederdeutschland gehörten ja auch die Länderteile von Hamburg bis Pommern...



82)110.450.
89a) Daher der Irrtum, daß die Hundisburg templerisch gewesen; sie gehörte damals und noch lange Zeit nachher der Familie von Alvensleben. 89b) v. Ledebur 265: praeceptor per Alemanniam et Slaviam.
90)Wohlbrück Gesch. d. Familie v. Alvensleben 1.211: Nosfrater, Friedericus de Alvensleben, commenda- tur Supplingenburg domus militiae Tempil, ex jussu fralris Friederici de Nigrip, nostri generalis praecep- toris Dieser hatte einen Bruder, Heidenreich. Ritter beim Erzbischof Erich von Magdeburg. Dreyhaupt 927.
91) v. Ledebur XVL. 254,


.... Die älteste templerische Besitzung in Niederdeutschland ist die Komturei Supplinburg unweit Helmstedt im Herzogtum Braunschweig. König Lothar (sein Vater war der Graf Gerhard von Supplinburg) soll schon 1130 dem Orden diese Schenkung gemacht haben 95), die später eine sehr bedeutende Komturei wurde, da mehrere Glieder der herzoglich braunschweigischen Familie hier dem Orden beitraten und daher diese Kurie besonders bedachten. Auch verlieh Herzog Heinrich der Löwe (der Enkel König Lothars) nach seiner Rückkehr aus dem Heiligen Lande 1172 mehrere Schenkungen 96). Zu Supplinburg folgte dem Friedrich von Alvensleben als Komtur der Herzog Otto von Braunschweig, welcher auch im Jahre 1304 als solcher in einem Vergleich genannt wird 97), den Friedrich von Alvensleben und der Templer Bertram von Veitheim zwischen den Templern zu Supplinburg und Emmerstedt einerseits und dem Kloster Marienthal bei Helmstedt andererseits vermittelte. Eine Urkunde vom Jahr 1308 nennt ebenfalls den Otto von Braunschweig als Komtur zu Supplinburg 98), welche Kommende nachmals den Johannitern zufiel, da diese nach der päpstlichen Verordnung vom 2. Mai 1312 alle diejenigen Tempelgüter erhalten sollten, welche im Oktober 1308 noch in den Händen des Ordens gewesen waren 99), nachdem noch im Jahre 1301 Herzog Albrecht von Braunschweig den

92) Wohlbrück a. a. O. 189: Frater Friedericus de Alvensleve domorum militiae templi per Alemanniam et Slaviam praeceptor... datum et actum in curia Wichmannsdorp.
93) In einer Urkunde des Provinzial-Archivs zu Magdeburg:... hoghen meyster Friedrich von Alvensleben.
94) v. Ledebur a. a. O. 254.
95) Anton 20. - v. Ledebur 254.
96) Das Chron. Riddagshus. ap. Pistor. III. 347 sagt im Bezug auf die braunschweigischen Lande: Rara vero aedificia et in his aedicula sacra Templariis nuper tributa conspicerentur. - S. f. I. S. 91. Anmerk. 7.
97) Nos Otto, Dei gratia Dux de Brunswick, domus militiae templi Jerosolymitani Magister, nee non Com-mendator curiae Supplingborg. Magister deutet hier nicht das Amt eines Provinzials an, sonst wäre die Provinz genannt, sondern gilt bloß als Titel, um den Herzog zu ehren; er war nur Komtur. - Leibnitz script. rer. Brunsv. IL praef. 39. Vgl. Wohlbr. I. 211.
98) Otto de Brunswick, commendator militiae templi domus Supplingheborg. Vgl. v. Ledebur 258 Anmerk.
99) Bulle "Adprovidi vicarii" unten Beil. 4.


Tempelherren seinen Gerichtsbann und sonstige Rechte zu Supplinburg verkauft hatte 100). Aus den Schenkungen, welche Heinrich der Löwe dem Orden machte, mag auch die Kommende in der Stadt Braunschweig um 1180 hervorgegangen sein 101), welches Haus nachmals die Kalandsbrüder daselbst erhielten, worauf es Matthäistift benannt wurde 102). Zu Hildesheim und Loklum im Hannoverschen befanden sich ebenfalls Kommenden von früher Stiftung, die nun ostwärts in das Bistum Halberstadt und Erzstift Magdeburg weiter schritt...

100) v. Ledebur III. 364.
101) Chron. Riddagsh. ap. Meibom, scr. rer. Germ. III. 347.
102) v. Ledebur XVI. 114 f.
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